Making-of: Die Ouvertüre unserer „Fledermaus“ – 90 Sekunden, 46 Figuren, eine filmische Vorgeschichte
- Benno Mitschka
- 6. Nov.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Nov.
Unsere Fledermaus-Inszenierung, die am 31. Dezember 2025 Premiere feiert, beginnt nicht mit der vollständigen Ouvertüre, sondern mit einem konzentrierten Moment: den letzten 90 Sekunden, in denen der berühmte Fledermauswalzer erklingt. Diese kurze Sequenz nutzen wir, um – ganz ohne Worte – die Vorgeschichte der Operette zu erzählen. Was Johann Strauss als festliche Einleitung komponiert hat, wird bei uns zur Miniatur eines Films aus Licht, Bewegung und Projektion.
Eine filmische Eröffnung
Anstelle einer klassischen Theaterouvertüre haben wir eine Art filmisches Vorspiel geschaffen. In nur eineinhalb Minuten entfaltet sich die gesamte Motivation der Figuren – vom ausgelassenen Maskenball bis zur Demütigung Dr. Falkes.
Dank unserer professionellen Bühnen- und Lichttechnik und der Rückprojektion als zentrales Gestaltungsmittel gelingt ein nahtloser Übergang von Ort zu Ort, ohne dass die Bühne dunkel wird. Eine einzige visuelle Bewegung führt das Publikum vom Ballsaal bis ins Dorf, wo die Geschichte ihren Ausgang nimmt.
46 Figuren – und jede erzählt ein Stück Geschichte
Für diese Ouvertüre haben wir 46 handgefertigte Figuren entwickelt – eine kleine Welt in Bewegung.
Der Maskenball:
12 Herren als Cäsar, Pharao, Napoleon und andere imposante Persönlichkeiten der Weltgeschichte.

10 Damen in farbenprächtigen Rokoko-Kostümen.

10 Walzerpaare, die in rauschenden Kreisen tanzen, von denen wir fünf Entwürfe in unserer Galerie dokumentieren.
Und natürlich unsere beiden Hauptfiguren: Gabriel von Eisenstein, leichtfüßig und eitel, im Schmetterlingskostüm, und Dr. Falke, charmant und arglos, als Fledermaus verkleidet.

In diesen Momenten entsteht die Stimmung eines opulenten Films – ein Ball voller Glanz, Bewegung und schimmernder Masken.
Vom Ball zum Spott – die Geschichte in Bewegung
Während die Musik schwingt, nimmt das Schicksal seinen Lauf:
Eisenstein macht Falke betrunken, verfrachtet ihn in eine Kutsche und lässt ihn in einem weit entfernten Dorf zurück. Diese gesamte Handlung spielt sich innerhalb eines einzigen filmischen Flusses ab.
Die Rückprojektion verwandelt sich in Echtzeit – der Ballsaal gleitet hinaus in die Nacht, die Kutsche rast über funkelnde Wege, und am Horizont erscheint ein abgelegenes Dorf.
Dort kippt der Ton:
Die ausgelassene Eleganz des Walzers weicht einem Moment der Ernüchterung. 10 Kinder und Jugendliche aus dem Dorf – in einfacher, bäuerlicher Kleidung – entdecken den schlafenden Dr. Falke, beginnen zu lachen und verspotten ihn.
Eine Magd mit Esel und Gemüsekarren zieht vorbei, als stumme Zeugin des Spottes.
Von diesem Tag an trägt Falke den Namen „Dr. Fledermaus“ – und die Rachegeschichte, die die Operette antreibt, nimmt ihren Anfang.
Eine Einstellung, viele Welten
Das Besondere an dieser Sequenz ist ihre filmische Struktur:
Die Kamera (bzw. die Rückprojektion) bleibt in einer einzigen Einstellung. Keine Schnitte, kein Schwarz. Nur Bewegung, Licht und Musik führen das Publikum durch die Räume.
So entsteht ein visuelles Kontinuum – eine fließende Erzählung, die sich ganz aus der Musik heraus entfaltet.
Die Ästhetik orientiert sich an den großen Hollywood-Filmen des 20. und 21. Jahrhunderts, während die Figuren und Dekors im opulenten Stil des 19. Jahrhunderts gestaltet sind. Diese Verbindung von Tradition und Kinoästhetik bildet den Kern unserer Theaterarbeit.
90 Sekunden als Verdichtung
Was in einer Operette normalerweise erzählt, gesungen und gespielt wird, passiert hier in 90 Sekunden.
Jede Figur, jede Lichtveränderung, jede Bewegung ist exakt auf die Musik abgestimmt. Das Ergebnis ist keine Ouvertüre im klassischen Sinn, sondern eine filmisch verdichtete Legende: der Moment, in dem aus Dr. Falke die „Fledermaus“ wird – und die Maskerade zur Lebensgeschichte.
Premiere: 31. Dezember 2025
Ort: Multum in Parvo Opernhaus in Mering

























































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