Die witzigsten Pannen – Teil 2
- Benno Mitschka
- 9. Nov.
- 3 Min. Lesezeit
Man sagt, der wahre Zauber des Theaters liegt in seiner Unvorhersehbarkeit. Nun – wir hätten da ein paar Beweise. Denn was wäre ein Theaterbetrieb ohne die kleinen (und manchmal größeren) Missgeschicke, die uns alle zum Schmunzeln bringen? Hier kommt unsere exklusive Rückschau auf die charmantesten Bühnenpannen der letzten Monate:
Versenkung mit Überraschungseffekt
Ein dramatischer Auftritt von Kaspar war im „Freischütz“ geplant, als er versuchte Max davon zu überzeugen, die teuflischen Freikugeln zu nutzen, um sein Glück mit Agathe zu sichern. Doch unsere Kaspar hatte sich im Dunkeln falsch positioniert. Statt ins Rampenlicht – der Spot war bereit, um auf ihn gerichtet zu werden - ging’s direkt in die Versenkung. Für den gelenkigen Kaspar war das zum Glück kein Problem, denn kurz darauf tauchte er wieder auf, um seine Szene fortzuführen. Oft ist es eben so im Leben: ein falscher Tritt kann direkt in den Abgrund führen. Unser Publikum hat's jedenfalls mit Humor genommen.
Orientierung? Optional!
Die Vorbereitungen für eine Aufführung sind vielfältig. Jede Figur bekommt einen für sie vorgesehenen Platz für ihren Auftritt. Doch in all' dem geschäftigen Treiben verliert man auch manchmal die Orientierung – und manchmal ist „rechts“ eben auch „links“. Unsere Flughexen standen mit voller Überzeugung bereit für ihren Auftritt beim Hexenritt in „Hänsel und Gretel“. Eine auf jeder Seite der Bühne… nur leider beide auf der falschen Seite. Ein Rückwärtsflug kam nicht in Frage, denn das hätte wohl für unfreiwillige Lacher gesorgt. So war Schnelligkeit gefragt. Mit einem kurzem Sprint unter der Bühne haben die beiden es aber dann zum Glück noch rechtzeitig für ihren Flug auf die richtige Seite geschafft.
Der Faden der Dramatik – gerissen!
Mitten im Spiel: Zack! – der Faden von Don José reißt während der Vorstellung von Bizets „Carmen“. Eine Katastrophe - ist der Faden am Figurenschieber unserer kleinen Opernprotagonisten doch gleichsam lebensnotwendig. Er dient nämlich dazu, dass sich die Figur umdrehen und sich so ihrem Gegenüber zu- oder abwenden kann. Wenn beim Liebesduett von Carmen und Don José nun sie zur einen Seite und er, von ihr abgewandt, zur anderen Seite singen würde, wäre mit einem Mal die ganze mit aufwendiger Beleuchtung inszenierte Intimität der beiden ruiniert. Also, was war zu tun? Statt Panik war eine spontane Reparatur-Session hinter den Kulissen angesagt. Nadel und Faden sind zum Glück immer griffbereit. Man weiß ja nie. Glücklicherweise gab's in diesem Teil der Oper das gewünschte Happyend. Das Drama am Ende ist eine andere Geschichte.
Hoffmann & Spalanzani – Doppelgänger-Edition
Einmal Spalanzani reicht nicht? Manchmal ist der Spruch: „Doppelt genäht, hält besser.“ nicht die klügste Entscheidung. So kam es im Olympia-Akt von „Hoffmanns Erzählungen“ zu einer Panne der besonderen Art: Spalanzani war gleichzeitig live auf der Bühne und als Video zu sehen. Was man im Nachhinein als genialen Regie-Einfall verschleiern könnte, war in Wirklichkeit leider ein falsches Timing bei der Figurenführung. Denn natürlich hätte sich der reale Spalanzani vor dem Auftritt des virtuellen schon längst aus dem Staub machen sollen. Vielleicht war er ja selbst so beeindruckt von seinem Doppelgänger, dass er interessiert stehen blieb. Wer weiß?
Zauberflöte mit Schwerkraft
Bei der Probe zur „Zauberflöte“ hat die Königin der Nacht ihr Erscheinen gründlich vermasselt. Wahrscheinlich war sie noch zu sehr mit dem Einsingen für ihre berühmte Arie „Der Hölle Rache brennt in meinem Herzen“ mit dem viel gerühmten dreigestrichenen F beschäftigt, als sie für die Probe aufgerufen wurde. Eigentlich sollte sie sich auf einem Magneten einfinden, um so majestätisch die Bühne zu betreten. Statt königlich aufzutreten, stolperte sie und stürzte zu Boden. Aber natürlich war sie Profi genug, um sich nichts anmerken zu lassen. Sie stand wieder auf, richtete ihr Kleid und sang weiter als ob nichts geschehen wäre!
Figurenschieber im Schmelzofen
Auch die Technik hat ihre Tücken: Die Figurenschieber des Holländers und Dalands mussten bis zu ihrem nächsten Einsatz beim „Fliegenden Holländer“ in der sommerlichen Hitze unter dem Dach ausharren. Trotz Protesten war ihnen eine neue Bleibe erst für den Winter in Aussicht gestellt worden. Das Ergebnis? Die Figurenschieber sind buchstäblich geschmolzen. Die starke Sonneneinstrahlung hat sie so weich gemacht, dass sie sich durchbogen und die Figuren sich kaum mehr auf ihnen halten konnten. Ein kurioses Bild, das dann doch dazu führte, das neue Figuren-Depot im Keller ganz schnell einzurichten.
Wir danken unserem Ensemble für Mut, Humor und Improvisationstalent – und Ihnen, liebes Publikum, fürs Mitlachen, Mitfiebern und Mitklatschen. Denn wie heißt es so schön: The show must go on – auch wenn der Faden reißt.







































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