Eine Reise in Nemos Welt (Fortsetzung)
- 8. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Wie Jules Vernes Kapitän Nemo im Multum in Parvo zu neuem Leben erwacht
Kapitän Nemo vor dem Porträt von John Paul Jones – 20.000 Meilen unter dem Meer
Kaum eine Figur der Literaturgeschichte fasziniert bis heute so sehr wie Kapitän Nemo. Er ist genialer Wissenschaftler, Erfinder, Rebell und zugleich ein zutiefst verletzter Mensch. Mit der Nautilus erschafft Jules Verne in 20.000 Meilen unter dem Meer nicht nur eines der berühmtesten Schiffe der Literaturgeschichte, sondern eine ganze Welt zwischen Wissenschaft, Abenteuer und Geheimnis.
Als wir uns mit diesem Stoff beschäftigten, stellte sich zunächst eine Frage: Wie lässt sich eine Geschichte, die so sehr von der Weite der Ozeane, geheimnisvollen Unterwasserwelten und großen inneren Konflikten lebt, auf unserer kleinen Bühne erzählen?
Die Antwort lag nicht darin, den Roman einfach nachzuerzählen. Vielmehr entstand die Idee, eine eigene Reise in Nemos Welt zu entwickeln.
Denn Jules Verne selbst gibt dafür einen wichtigen Hinweis. Im Salon der Nautilus entdeckt Professor Aronnax zwischen wissenschaftlichen Instrumenten ein Orgelklavier und die Partituren großer Komponisten seiner Zeit. Musik gehört für Nemo genauso selbstverständlich zu seinem Leben wie Wissenschaft und Technik.
Dieser Gedanke wurde zum Ausgangspunkt unserer musikalischen Gestaltung.
Eine Geschichte zwischen Bühne, Bild und Musik
20.000 Meilen unter dem Meer ist kein klassisches Sprechtheater und keine Oper im herkömmlichen Sinn. Wir erzählen Jules Vernes Welt als Musiktheaterstück.
Ein Erzähler führt durch die Geschichte und gibt den Ereignissen eine Stimme. Die Figuren des Papiertheaters verkörpern die handelnden Personen. Filmsequenzen erweitern den Bühnenraum und lassen Welten entstehen, die auf kleinstem Raum sichtbar werden.
Die Musik übernimmt dabei eine besondere Rolle: Sie begleitet die Geschichte nicht nur, sondern erzählt gemeinsam mit Bild und Wort die innere Welt Kapitän Nemos.
Der Erzähler erzählt, was geschieht.Die Bilder zeigen, was Worte nicht zeigen können.Die Musik lässt fühlen, was in den Figuren vorgeht.
Erst aus diesem Zusammenspiel entsteht die Reise in Nemos Welt.
Jules Verne neu erzählt
Die Beschäftigung mit Jules Verne führte uns nicht nur zu 20.000 Meilen unter dem Meer, sondern auch zu weiteren Romanen wie Die geheimnisvolle Insel, Das Karpathenschloss, Der Leuchtturm am Ende der Welt, Von der Erde zum Mond, Die Reise zum Mittelpunkt der Erde und In 80 Tagen um die Welt.
Dabei ging es nicht darum, eine möglichst genaue Illustration der Vorlage zu schaffen. Vielmehr interessierte uns die Frage: Was könnte zwischen den bekannten Geschichten geschehen sein?
Unsere Inszenierung beginnt dort, wo Jules Verne seine Leser mit offenen Fragen zurücklässt. Kapitän Nemo hat seine Mannschaft verloren und begibt sich auf eine letzte Reise. Eine Reise durch Erinnerungen, Verluste und Hoffnungen – und vielleicht auch auf der Suche nach einem Vermächtnis, das über sein eigenes Leben hinaus Bestand haben kann.
Die Musik erzählt Nemos Geschichte
Die Auswahl der Musik entstand aus den Szenen selbst. Entscheidend war nicht allein die historische Zeit der Kompositionen, sondern ihre emotionale Kraft.
Schubert begleitet Nemos Einsamkeit. Wagner öffnet Räume voller Geheimnis und Größe. Bellinis „Guerra, guerra!“ aus Norma lässt die Vergangenheit und den Freiheitskampf wieder lebendig werden. Faurés In Paradisum beschließt die Reise mit einem Blick auf Trost und Hoffnung.
So entsteht keine musikalische Illustration, sondern eine eigene emotionale Ebene der Erzählung.
Große Welten auf kleinstem Raum
Das Multum in Parvo Opernhaus lebt von einem scheinbaren Widerspruch: Auf kleinstem Raum entstehen Welten, die weit über ihre äußeren Grenzen hinausführen.
Bei 20.000 Meilen unter dem Meer verbinden sich Figuren, Bühnenbilder, Filmsequenzen und große Musik zu einer Reise, bei der der Zuschauer für einen Augenblick den Alltag hinter sich lassen kann.
Vielleicht liegt genau darin die besondere Faszination von Jules Verne: Seine Geschichten erzählen nicht nur von Erfindungen und Abenteuern. Sie erzählen von der Sehnsucht des Menschen, Grenzen zu überwinden und unbekannte Welten zu entdecken.
Wir laden Sie ein, gemeinsam mit Kapitän Nemo an Bord der Nautilus zu gehen.


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